Leseproben

Percival von Thalburg

Es ist wieder Zeit für eine weitere Leseprobe. Wie ich es versprochen habe, stelle ich euch die dritte Hauptfigur aus meinem Roman „Die Krone von Atlantis“ vor.

Dieses Mal geht es um Percy. Er heißt mit vollem Namen Percival Arthur von Thalburg, ist 19 Jahre alt und begleitet die Gräfin, die ihr bereits im Prolog kennen lernen durftet. Welche Beziehung er zu Gräfin Eleana hat und was die beiden eigentlich in Hamburg treiben, erfahrt ihr auf den kommenden Seiten. Wer es danach nicht abwarten kann, zu erfahren, wie es weiter geht, kann das Buch gerne bestellen. Viel Spaß!

Auszug aus dem 2. Kapitel, Seiten 27 – 31:

„Abgewiesen von Zeus stürzte Poseidon vom Himmel ins Meer. Er schwang sich zum Herrscher über Wellen und Ozean auf und regierte die Meere mit gerechter, aber harter Hand. Nach Jahren der Einsamkeit fasste er den Entschluss, jedes Eiland in seinem Reich zu besuchen. Doch wo er auch hinkam, scheuten die Menschen seinen Anblick und verließen aus Furcht vor dem Göttlichen ihre Häuser. So geschah es auch auf einem verlassenen Inselreich vor den Säulen des Herakles. Die Hirten und Bauern, die dort lebten, flüchteten voller Angst, als er sich ihnen näherte. Allein ein schönes Mädchen trat dem göttlichen Licht freundlich entgegen. Sie fürchtete sich nicht. Da nahm Poseidon das Mädchen zur Braut und alle, die von ihrem Blut waren, waren ihnen in Unendlichkeit verbunden.“

Percival von Thalburg las den deutschen Text ohne jeden Akzent vor. Nachdem er geendet hatte, sah er die Frau am anderen Ende des Tisches aus dem Augenwinkel an. Er schnalzte mit der Zunge.

„Wirklich, Eleana?“, fragte er mürrisch.

Gräfin Eleana setzte mit einer eleganten Bewegung ihre Kaffeetasse auf den Unterteller zurück und erwiderte Percys Blick. Anstatt zu antworten, hob sie die Augenbrauen.

„Du glaubst wirklich, dass die Aufzeichnungen dieses alten Kauzes den richtigen Mythos beschreiben? Wenn du mich fragst, hat der einfach nur eine griechische Sage abgeschrieben und seinen eigenen Senf hinzugegeben.“

Eleana schüttelte augenrollend den Kopf, stand auf und ging um den langen Esstisch herum. Sie stellte sich hinter Percy und warf über seine Schulter hinweg einen Blick in das vergilbte Notizbuch, das er vor sich aufgeschlagen hatte.

„Siegmund Wiedeking war nicht nur ein alter Kauz“, sagte sie belehrend. „Er war einer der meist gereisten Menschen im frühen neunzehnten Jahrhundert. Er gilt als einer der ersten Archäologen und war ein wahrhafter Entdecker. Nachdem er sein Geld mit der Handelsschifffahrt gemacht hatte, hat er sich später fast ausschließlich der Forschung gewidmet. Seine Expeditionen waren so weitläufig, dass sie fast das ganze Familienvermögen aufgebraucht haben. Er hat praktisch die ganze Welt gesehen. Und doch hat es ihn immer wieder in die Mittelmeerregion verschlagen. Jede zweite seiner Expeditionen führte dorthin.“

Percy seufzte. „Und die Lehrstunde beginnt“, neckte er.

Eleana knuffte ihren jungen Schützling in die Seite, der sich daraufhin ein Lächeln abringen konnte. „Das Notizbuch, das du in deinen Händen hältst, ist kurz vor seinem Tod entstanden. Auf seinen letzten Reisen ist er nur noch in die Ägäis und in das östliche Mittelmeer gefahren. Er glaubte, der größten Entdeckung der Menschheit auf der Spur zu sein.“

Percy drehte den Kopf, um Eleana ansehen zu können.

„Und was hat das mit dieser Sage zu tun?“

„Lies’ sie dir einmal genau durch. Fällt dir nichts auf?“

Percy ließ seine Augen nochmals über den kurzen Text in der geschwungenen Handschrift wandern. Ihm fuhr ein Schauer über den Rücken, als er verstand, worauf Eleana hinauswollte.

„Sie trat dem göttlichen Licht entgegen? Wieso schreibt er nicht einfach dem Gott?“

Eleana klopfte Percy zufrieden auf die Schulter und lächelte, als sie zu ihrem Platz am Frühstückstisch zurückging.

„Genau das habe ich mich auch gefragt. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wenn Wiedeking nur die Geschichte von Poseidon und Kleito niederschreibt. Aus den Notizen geht aber hervor, dass ihm die Geschichte auf Santorin von mehreren Bewohnern übereinstimmend so erzählt worden ist.“

„Auf Santorin haben damals Menschen gelebt?“

„Nur ein paar Bauern. Sie erzählten sich diese Geschichte immer und immer wieder. Sie sprachen jedoch nicht von einer Sage. Sie haben wirklich geglaubt, dass es sich bei dieser Legende um eine wahre Geschichte handelt. Und sie berichteten einstimmig, wie eine junge Frau sich ohne Furcht dem göttlichen Licht näherte. Das finde ich sehr auffällig.“

Percy konnte nicht anders, als seiner Ziehmutter zuzustimmen. Er rief sich wieder ins Gedächtnis, warum er mit ihr nach Hamburg gekommen war.

„Hat dich das darauf gebracht, hier nach dem Anhänger zu suchen?“

Eleana nickte und streckte die Hand nach dem Notizbuch aus. Sie warf Percy einen missbilligenden Blick zu, als er es einfach quer über den Tisch schleuderte.

„Percy!“, schimpfte sie, als sie das kleine Büchlein gerade noch auffing, bevor es in der Marmelade landete.

Percy setzte sein charmantestes Grinsen auf. „Ich bin keine zwölf mehr. Was du mir jetzt an Manieren nicht beigebracht hast, lerne ich nicht mehr.“

Eleana schüttelte den Kopf, öffnete das Buch und blätterte darin.

„Wiedeking hat von seiner letzten Expedition nach Santorin einige Artefakte mit sich nach Hamburg gebracht, die die Einheimischen als Heiligtümer verehrt haben. Sie haben sie in ihren Kirchen aufbewahrt, weil sie der Meinung waren, dass Gott selbst die Gegenstände auf die Erde geschickt habe.“

Percy wischte sich mit einer Serviette den Mund ab und lehnte sich über den Tisch, um ebenfalls in das Buch schauen zu können.

„Meinst du, Wiedeking hat die Bauern lieb gefragt, und daraufhin haben sie ihm ihre kostbarsten Schätze einfach so gegeben?“

Eleana antwortete darauf nicht, hob aber eine einzelne Augenbraue.

„Bei den meisten Gegenständen handelte es sich um wertlosen Trödel aus der Zeit der Antike. Allerdings bei einem Gegenstand lagen die Bauern gar nicht so falsch. Guck’ dir das an.“

Eleana zeigte auf eine Seite, auf der Wiedeking verschiedene Zeichnungen gemacht hatte. Unter den Statuen, Messern und Töpfen war ein Fundstück dabei, das sich von den anderen drastisch unterschied: ein dreieckiger Anhänger, der einen tropfenförmigen Stein fasste.

„Das ist er“, entfuhr es Percy.

„Ich sagte doch, Wiedeking war mehr als ein alter Kauz. Er war im Übrigen ein Verwandter der von Thalburgs.“

Percy presste die Lippen aufeinander. Er hasste es, wenn Eleana so beiläufig das Gespräch auf seine Familie lenken wollte. Er sprach nicht über sie. Er hatte es nie getan. Heute würde er nicht damit anfangen.

„Was hat er mit dem Anhänger gemacht?“ Percy sah seine Ziehmutter erneut an.

„Wiedeking hatte natürlich keine Ahnung, was er da mitgebracht hatte. Er hat den Schmuck seiner Frau geschenkt und der Anhänger wurde in den kommenden Jahrhunderten in der Familie weitervererbt.“

„Dann haben sie ihn noch?“

Eleana schüttelte traurig den Kopf. „Nein, die Familie Wiedeking ist vor einiger Zeit ausgestorben. Der Anhänger ist im Rahmen einer Versteigerung verkauft worden.“

Percy sah seine Ziehmutter erschrocken an, doch sie hatte den Blick für einen Moment traurig in die Ferne gerichtet. „Wieder eine alte Blutlinie, die verloren ist. Es gibt Dinge, die können niemals zurückkehren“, flüsterte sie.

„Das heißt, wir haben keine Ahnung, wo er jetzt ist?“

Eleana kehrte in die Gegenwart zurück. „Das würde ich nicht sagen.“ Sie grinste. „Ich habe ermittelt, wer damals bei der Versteigerung mitgeboten hat. Und ich habe den Schmuckhändler gefunden, der den Anhänger erstanden hat: ein Mann namens Friedrich Hansen. Während du gestern Abend unterwegs warst und den Hamburger Mädchen schöne Augen gemacht hast, habe ich ihm bereits einen Besuch abgestattet. Er bringt mir den Anhänger heute Morgen in sein Geschäft.“

Percy klatschte begeistert in die Hände. „Aber das ist ja großartig. Dann haben wir bald alles, was wir brauchen.“

Vielleicht haben wir bald alles“, mäßigte Eleana ihren Schützling. Sie nahm einen letzten Schluck aus ihrer Kaffeetasse und stand auf.

„Um wie viel Uhr macht das Geschäft auf?“, fragte Percy und sah auf seine Armbanduhr.

„Um neun. Ich muss mich beeilen“, sagte Eleana und durchquerte die fürstliche Suite des hanseatischen Luxushotels an der Alster. An einem Garderobenständer griff sie nach ihrem dunkelblauen Samtumhang, den sie sich mit einem geübten Handgriff über das schlichte, dennoch elegante dunkelblaue Kleid warf. Percy fragte sich nicht zum ersten Mal, ob sie es darauf anlegte, auszusehen, als käme sie aus einer anderen Zeit.

„Sehr gut. Ich komme mit“, rief er und sprang auf, um sich seine wesentlich unauffälligere blaue Jacke mit dem weißen Innenfutter anzuziehen.

Doch kaum hatte er sich seine Handschuhe übergestreift, legte Eleana ihrem Schützling eine Hand auf die Brust und stoppte ihn mitten in der Bewegung.

„Nein, ich gehe allein. Ich will den Juwelier nicht misstrauisch machen. Außerdem hast du einen Termin im Hafen. Unsere Lieferung ist da. Wir treffen uns hier wieder um vier Uhr. Verstanden?“

Percy neigte den Kopf und sah enttäuscht zur Seite.

Eleana ließ nicht locker. „Verstanden?“, hakte sie in deutlich strengerem Tonfall nach.

„Ja!“, antwortete Percy. Daraufhin nickte die Gräfin zufrieden, öffnete die Tür der Suite und trat gefolgt von ihrem Schützling auf den Flur hinaus.

Allgemein

Ria und ich

Nun habt ihr Ria kennen lernen können. Wer die Leseprobe aufmerksam gelesen hat, erinnert sich noch an ihren ersten Satz: „Es ist nicht das, wonach es aussieht.“ Ohne es zu wollen, ist das das Motto, unter dem Ria aber auch der ganze Roman steht. Nichts ist, wie es scheint.

Obwohl Ria sich eher unauffällig kleidet, trägt sie jede Menge Schmuck. Die Liebe zu ihren ganzen Anhängseln hat sie unmittelbar von mir abbekommen. Auch ich habe eine Schwäche für Schmuck, erzählt er einem doch so viel über die Person, die ihn trägt. (Abgesehen davon, dass ich ihn hübsch finde :D). Für Ria sind die ganzen Accessoires Erinnerungen an vergangene Zeiten. Sie sind aber auch Teil ihrer Maskerade. Ria versteckt sich hinter dem Bild, das sie abgibt. Sie trägt eine viel zu große Brille, damit ihr bloß niemand in die Augen schauen kann. Während der Großteil ihres Schmucks wertloser Trödel ist, verbrigt sie darunter auch ihr Geheimnis. Es gibt kein besseres Versteck für einen Schatz als direkt vor der Nase anderer.

Ria bringt mich zu dem Grund, warum ich schreibe. Ich habe angefangen, mir Geschichten und Abenteuer auszudenken, als ich noch sehr klein war. Ich muss ca. vier gewesen sein, als ich freiwillig ins Bett gegangen bin, weil man sich mit geschlossenen Augen alles so viel besser vorstellen kann. Begonnen hat es damit, dass ich mir weitere Folgen meiner Lieblingsserie ausgedacht habe. Oder ich war mit dem Ende bestimmter Filme nicht zufrieden. Meine Phantasie hat mir meine Wünsche erfüllt.

Später kam jedoch mehr zu dem bloßen Durst nach Unterhaltung hinzu. Ich habe mich danach gesehnt, selber Abenteuer zu erleben. Ich wollte zu fremden Welten reisen, magische Kräfte besitzen und die Welt retten! Ich fand mein Leben ziemlich gewöhnlich, manchmal richtig langweilig. In meinen Gedanken konnte ich jedoch die sein, die ich wollte. Das gilt bis heute.

So ist „Die Krone von Atlantis“ entstanden und so wurde Ria zu meiner Hauptfigur. Auch wenn man als Autor entdeckt, dass jede Figur bestimmte Facetten von einem in sich trägt, gibt es doch meistens den einen Charakter, mit dem man sich am meisten identifiziert. Bei mir ist es Ria.

Mit ihr habe ich einen Teil von mir selbst in meinen Roman geschrieben. Auch wenn Ria natürlich stärker als ich ist, Fähigkeiten hat, von denen ich nur träumen kann, gleichzeitig aber auch deutlich skupelloser ist, als ich es je sein könnte (Ich habe noch nie in meinem Leben etwas geklaut!), verbindet uns ein gemeinsames Streben. Wir sind beide auf der Suche nach unserem Platz im Leben.

Ria ist überzeugt, dass sie ganz genau weiß, was sie will und wie sie an ihr Ziel gelangt. Deshalb macht sie ein Geheimnis aus sich und lenkt mit ihren ganzen Anhängseln den Blick von sich ab. Sie hat einen Plan, muss aber im Laufe des Buches feststellen, dass er in der Theorie deutlich leichter umzusetzen war als in Wirklichkeit.

Besonders Percy macht ihr das Leben schwer. Wir ihr bereits aus dem Klappentext meines Buches erfahren habt, besteht zwischen Percy und Ria vom ersten Moment an eine besondere Verbindung. In dem Augenblick, in dem sie sich das erste Mal in die Augen schauen, weiß Ria, dass sich für sie alles ändern wird. Vielleicht muss sie ihren ursprünglichen Plan sogar aufgeben. Aber wird sie dazu auch die Kraft haben?

Um das herauszufinden, müsst ihr das Buch bestellen und lesen. Genau wie Ria begebe ich mich jetzt auch an den Platz im Leben, auf den ich gehöre. Er ist genau hier, vor diesem PC und dem Keyboard, die Finger auf den Tasten und bereit euch von all den weiteren Abenteuern zu erzählen, die mir noch durch den Kopf geistern. Nirgendwo bin ich lieber.

Eure Freya

Leseproben

Ria

Nachdem ihr Rider – den Bösewichten in meinem Roman, kennen lernen durftet, ist es endlich an der Zeit – euch die Hauptfigur vorzustellen. Ria Thale ist meine Protagonistin. In der aktuellen Leseprobe dürft ihr nachlesen, wie ich sie in den Roman eingeführt habe. Ohne es zu wollen, ist mir mit dem ersten Satz, den sie spricht, ein kleines Kunststück gelungen. Aber dazu erzähle ich euch im Laufe der Woche mehr. Jetzt taucht erst einmal ein, in einen weiteren Auszug aus meinem Roman „Die Krone von Atlantis„:

Auszug aus dem 1. Kapitel, Seiten 15 – 17:

Dass Ria Schmuck liebte, erkannte man auf den ersten Blick. Sie schimmerte förmlich in dem fahlen Licht, das in der kleinen Lobby schien. In ihren beiden Ohren steckten jeweils vier glitzernde Ohrstecker. Außer an ihren Daumen trug sie an jedem ihrer Finger Ringe verschiedener Größe und Beschaffenheit. Ihre Arme klimperten bei jeder Bewegung, weil die zahlreichen Armreife und -bänder sich ineinander verhedderten. Um ihren Hals lagen eine Kette mit einem schlichten Herzanhänger und ein dünnes Lederband. Doch abgesehen davon und bis auf die viel zu große Brille, die auf ihrem Nasenbein hin und her rutschte, war ihre Erscheinung eher unauffällig. Sie trug einen schwarzen Pullover und dunkle Jeans, die in abgetragene Lederstiefel gestopft waren. Daher überraschte es sie auch nicht, dass die drei Männer, die jetzt die schäbige Herberge am Hamburger Hafen betraten, sie keines Blickes würdigten.

„Lass’ es uns sehen, Boss!“, rief ein drahtiger Mann mit zu hoher Stimme, als er die Tür aufstieß. Er drehte sich im Gehen um und hielt die schmale Pforte auf. Ein massiger Riese von einem Mann trat über die Schwelle. „Ja, bitte!“, stimmte dieser seinem Vorgänger zu. Ria beobachtete angewidert den Schwall Spucke, der bei diesen Worten aus dem breiten Mund des hünenhaften Mannes flog.

Der dritte Mann, der die kleine Lobby direkt hinter dem Riesen betrat, war dagegen von ganz anderer Erscheinung. Ria starrte gebannt auf die ozeanblauen Augen, deren Farbe so ausgeprägt war, dass es aussah, als leuchteten sie. Der Mann hatte schwarzes, leicht gewelltes Haar, war hochgewachsen, muskulös und sehr schlank. Er hatte ein auf unnatürliche Art und Weise zeitloses Aussehen, das es unmöglich machte, sein Alter zu schätzen. Er trug einen langen schwarzen Mantel, den er bis zum Kinn zugeknöpft hatte. In seinen Händen hielt er ein kleines Holzkästchen.

„Bitte, Boss!“, bettelte der Riese noch einmal und zeigte mit einer fast kindlichen Bewegung auf das Kästchen. Ria zuckte hinter dem Tresen der Lobby heftig zusammen, als der Mann in dem schwarzen Mantel ausholte und dem großen Kerl mit dem Handrücken eine schallende Ohrfeige versetzte. Der Riese heulte auf und taumelte rückwärts. Der Mann in Schwarz packte ihn mit unmenschlich wirkender Kraft am Kragen und zog das Gesicht des Riesen an seines heran.

„Ich sagte: Nein! Habe ich mich jetzt klar ausgedrückt?“

Der große Kerl nickte verdrossen und presste die fleischigen Lippen aufeinander. Sein Schmerz war ihm anzusehen. Der Mann in Schwarz tätschelte dem Riesen die Wange und ließ von ihm ab. Mit einer lässigen Bewegung rückte er seinen Mantel zurecht. Erst jetzt wanderten seine Augen durch den winzigen Eingangsbereich der heruntergekommenen Absteige. Rias und sein Blick kreuzten sich für die Dauer eines Herzschlags.

„Hey!“, rief eine weitere Stimme. Ria wandte sich von dem Mann ab und drehte sich erschrocken um. Hinter ihr stand der alte Herbergsvater, der aus der kleinen Stube hinter dem Tresen herausgekommen war. „Was machst du da?“ Er zeigte mit seinen tätowierten Fingerknöcheln auf sie.

Rias Blick fiel auf ihre Hände, in denen sie zwei Brieftaschen, eine Uhr und einen für sie offensichtlich zu großen Goldring hielt. Schnell sah sie wieder zu dem Wirt und begann zu grinsen. „Es ist nicht das, wonach es aussieht“, versicherte sie ihm.

Der alte Mann starrte sie für einige Sekunden verdutzt an. Das war mehr als genug Zeit für Ria. Mit einem gezielten Sprung schwang sie sich über den Tresen und rutschte auf der anderen Seite hinunter. Sie glitt durch den engen Raum an den drei Männern vorbei und stürmte zur Tür.

„Ich empfehle mich!“, rief sie den drei Männern zu und zwinkerte frech, während der Wirt vor Wut aufschrie. Ihr Arm streifte den Mann in dem schwarzen Mantel, der sich mit geöffnetem Mund nach ihr umdrehte. Doch bevor er auch nur einen Ton hervorbringen konnte, hatte Ria schon die Tür aufgerissen und rannte in die Nacht hinaus. Als sie einen kurzen Blick über die Schulter riskierte, sah sie, dass der Mann in dem schwarzen Mantel ihr mit seinen Blicken folgte.

Allgemein

Audio-Book, E-Book, What-Book?

Und ich hatte immer gedacht, die schwierigste Sache am Schreiben eines Romans, ist das Schreiben. Weit gefehlt! Denn ist das liebe Buch erst einmal fertig, stellt sich die Frage, wie veröffentliche ich es?

Ich bin ein eher klassischer Buchtyp. Ich liebe gebundene Bücher. Nicht umsonst habe ich mich schnell dazu entschlossen, das Buch als Printausgabe zu veröffentlichen, wie ihr hier nachlesen könnt. Ich liebe den Geruch von Druckerschwärze, das Geräusch des Papiers und den Wind, der mir entgegenschlägt, wenn ich den Buchdeckel fallen lasse. Bücher sind magisch. Sie regen meine Phantasie an. Schon wenn ich sie in die Hand nehme, bekomme ich Ideen, was in ihnen geschrieben stehen könnte. Als Kind bin ich immer wieder gerne in die Buchhandlung gegangen und habe Bücher angefasst. Manchmal hat es gereicht, sie einfach zu berühren, damit sie mich inspiriert haben.

Deshalb bin ich ein wenig skeptisch, wenn es um andere Formen der Buchveröffentlichung geht. Kann ein Buch tatsächlich auf einem e-book-Reader ebenso begeistern? Wenn ich eine Geschichte nur höre, und nicht lese, sauge ich sie dann genauso auf?

Für mich ist die Antwort: Nein! Das heißt aber noch lange nicht, dass E-Books und Hörbücher der Printausgabe in irgendetwas nachstehen.

Ich habe seit einiger Zeit einen audible-Account. Ich pendele beruflich und verbringe viel Zeit im Auto. Hörbücher haben mir nicht nur die Fahrten versüßt. Ich bin zeitweise überhaupt wieder zum Lesen gekommen. Dabei habe ich durch die Stimmen der teilweise wunderbaren Sprecher Bücher auf eine ganz neue, andere Art zu schätzen gelernt. Wenn die Vorleser dramatische Pausen machen, können meine ungeduldigen Augen nicht schon zum nächsten Satz wandern. Ich muss die ganze Dramatik des Augenblicks auf mich wirken lassen. Das war neu und großartig! Wenn die Figuren vor Schmerz schreien, kann man es tatsächlich hören. Wenn sie flüstern, muss man die Ohren spitzen.

Und zuletzt haben Hörbücher bei meinem Leseverhalten für viel mehr Disziplin gesorgt. Ich lese nämlich immer das Ende, kurz nachdem ich ein Buch begonnen habe. (Furchtbar, ich weiß!) Das geht bei Audio-Books nicht. Somit muss ich spoilerfrei das Ende abwarten und kann es tatsächlich so erleben, wie der Autor es sich überlegt hat.

Ich habe beschlossen, mir die ganz eigene Magie von E- und Audio-Books nutzbar zu machen. Aus diesem Grund arbeite ich gerade an einer E-Book Ausgabe. Auch an der Hörbuchausgabe wird fleißig geschraubt. Beides kommt spätestens im Herbst. Wann genau sie erscheinen, erfahrt ihr hier zuerst. Stellt also sicher, dass ihr mir folgt, um nichts zu verpassen!

Und wenn mir alles zu viel wird, kann ich mir ja immer noch die gute alte Printausgabe zur Hand nehmen. Denn bei allen Vorteilen der digitalen Bücher, sie duftet immer noch am besten.

Eure Freya

Allgemein

Vorbild: Pirat mit Holzbein

Nachdem ihr eine weitere Kostprobe aus meinem Roman „Die Krone von Atlantis“ lesen konntet, kommen hier, wie versprochen, ein paar Infos zu meinem Charakter Christopher Rider.

Vielleicht ist es ein wenig ungewöhnlich mit dem Antagonisten den Roman zu beginnen. Ihr lernt den Bösewichten vor den Helden kennen. Ich habe das nicht bewusst so geschrieben. Als ich das Buch verfasst habe, zog es mich am Anfang der Geschichte zu Rider hin. Das liegt vermutlich daran, dass er mein Lieblingscharakter ist.

Bevor ihr jetzt denkt: Was ist das für eine Autorin, deren liebste Figur der Gegenspieler ist? Lasst mich ausführen! Ich bin der Auffassung, dass ein Held immer nur so gut sein kann wie der Antagonist. Nur wenn der Bösewicht interessant und menschlich, vielleicht sogar sympathisch ist, hat der Held einen echten Gegner, den es sich zu überwinden lohnt. Ist er aber eine Figur nach dem Schema F – schlecht, weil er um der Handlung willen schlecht sein muss – neigt er in der Geschichte dazu, immerzu dem Helden in die Hände zu spielen. Der Klassiker für mich ist hier das böse Genie, das dem gefesselten Superhelden seinen Plan erklärt. Er bringt die Hauptfigur im Anschluss nicht um (wäre ja auch zu logisch), sondern gibt ihr quasi eine Handlungsanleitung mit, wie er geschlagen werden kann.

Natürlich gewinnen die Guten am Ende der Geschichte. Und ich mag solche Bücher und Filme durchaus. Ist der Böse aber clever, brilliant und dazu noch auf eine Art und Weise motiviert, die Mitgefühl beim Leser erzeugt, regt der Sieg der Helden über die Bösen zum Nachdenken an. Das ist (für mich) ein Moment, in dem echte Inspiration einsetzt.

Zum ersten Mal habe ich mir solche Gedanken zu einem Piraten gemacht. Ohne dass ich es erklären konnte, faszinierte mich schon als Kind der Charakter von Long John Silver aus Robert Louis Stevensons „Die Schatzinsel“. Dass Silver der Schurke ist, stellt sich erst später im Buch raus. Vorher werden er und Jim Hawkins (der Protagonist) Freunde. Mich hat zutiefst beeindruckt, dass Silvers Zuneigung zu Jim im Laufe des Buches nicht nachlässt. Er ist zwar skrupellos und auf den Schatz fixiert. Aber man merkt, dass er Jim nach wie vor schätzt und ihn eigentlich beschützen will. Gleichzeitig ist auch Jim hin und her gerissen zwischen seinen Sympathien für Silver und seinem Gerechtigkeitssinn.

Natürlich bekommt Silver am Ende den Schatz nicht und Jim kehrt wohlbehalten zu seiner Mutter zurück. Silver und Jim wachsen aber an ihrem Abenteuer, sind beide hinterher nicht dieselben, die sie vorher waren. Und sie nehmen den Leser bei ihrer Entwicklung mit. Als Kind hat mir die Figur von Silver die Erkenntnis beschert, dass es zwischen gut und böse viel dazwischen gibt. Ein Bösewicht, der ausnahmsweise gut sein kann, macht ein Buch und eine Geschichte erst richtig spannend. Man hofft doch bis zum Schluss, dass das Gute in der Figur siegt.

Ich habe versucht, mit Christopher Rider einen ähnlich spannenden Charakter zu schaffen. Er war nicht immer ein Mörder so wie heute. Er hat gute Gründe, so verbittert zu sein. Und wer weiß, vielleicht ist er ja nicht immer so ein Schuft, sondern kann selten freundlich, pflichtbewusst und sogar lieb sein. Um das aber herauszufinden, müsst ihr mein Buch lesen. Klickt hier, wenn ihr es bestellen wollt.

Eure Freya