Ria

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Nachdem ihr Rider – den Bösewichten in meinem Roman, kennen lernen durftet, ist es endlich an der Zeit – euch die Hauptfigur vorzustellen. Ria Thale ist meine Protagonistin. In der aktuellen Leseprobe dürft ihr nachlesen, wie ich sie in den Roman eingeführt habe. Ohne es zu wollen, ist mir mit dem ersten Satz, den sie spricht, ein kleines Kunststück gelungen. Aber dazu erzähle ich euch im Laufe der Woche mehr. Jetzt taucht erst einmal ein, in einen weiteren Auszug aus meinem Roman „Die Krone von Atlantis„:

Auszug aus dem 1. Kapitel, Seiten 15 – 17:

Dass Ria Schmuck liebte, erkannte man auf den ersten Blick. Sie schimmerte förmlich in dem fahlen Licht, das in der kleinen Lobby schien. In ihren beiden Ohren steckten jeweils vier glitzernde Ohrstecker. Außer an ihren Daumen trug sie an jedem ihrer Finger Ringe verschiedener Größe und Beschaffenheit. Ihre Arme klimperten bei jeder Bewegung, weil die zahlreichen Armreife und -bänder sich ineinander verhedderten. Um ihren Hals lagen eine Kette mit einem schlichten Herzanhänger und ein dünnes Lederband. Doch abgesehen davon und bis auf die viel zu große Brille, die auf ihrem Nasenbein hin und her rutschte, war ihre Erscheinung eher unauffällig. Sie trug einen schwarzen Pullover und dunkle Jeans, die in abgetragene Lederstiefel gestopft waren. Daher überraschte es sie auch nicht, dass die drei Männer, die jetzt die schäbige Herberge am Hamburger Hafen betraten, sie keines Blickes würdigten.

„Lass’ es uns sehen, Boss!“, rief ein drahtiger Mann mit zu hoher Stimme, als er die Tür aufstieß. Er drehte sich im Gehen um und hielt die schmale Pforte auf. Ein massiger Riese von einem Mann trat über die Schwelle. „Ja, bitte!“, stimmte dieser seinem Vorgänger zu. Ria beobachtete angewidert den Schwall Spucke, der bei diesen Worten aus dem breiten Mund des hünenhaften Mannes flog.

Der dritte Mann, der die kleine Lobby direkt hinter dem Riesen betrat, war dagegen von ganz anderer Erscheinung. Ria starrte gebannt auf die ozeanblauen Augen, deren Farbe so ausgeprägt war, dass es aussah, als leuchteten sie. Der Mann hatte schwarzes, leicht gewelltes Haar, war hochgewachsen, muskulös und sehr schlank. Er hatte ein auf unnatürliche Art und Weise zeitloses Aussehen, das es unmöglich machte, sein Alter zu schätzen. Er trug einen langen schwarzen Mantel, den er bis zum Kinn zugeknöpft hatte. In seinen Händen hielt er ein kleines Holzkästchen.

„Bitte, Boss!“, bettelte der Riese noch einmal und zeigte mit einer fast kindlichen Bewegung auf das Kästchen. Ria zuckte hinter dem Tresen der Lobby heftig zusammen, als der Mann in dem schwarzen Mantel ausholte und dem großen Kerl mit dem Handrücken eine schallende Ohrfeige versetzte. Der Riese heulte auf und taumelte rückwärts. Der Mann in Schwarz packte ihn mit unmenschlich wirkender Kraft am Kragen und zog das Gesicht des Riesen an seines heran.

„Ich sagte: Nein! Habe ich mich jetzt klar ausgedrückt?“

Der große Kerl nickte verdrossen und presste die fleischigen Lippen aufeinander. Sein Schmerz war ihm anzusehen. Der Mann in Schwarz tätschelte dem Riesen die Wange und ließ von ihm ab. Mit einer lässigen Bewegung rückte er seinen Mantel zurecht. Erst jetzt wanderten seine Augen durch den winzigen Eingangsbereich der heruntergekommenen Absteige. Rias und sein Blick kreuzten sich für die Dauer eines Herzschlags.

„Hey!“, rief eine weitere Stimme. Ria wandte sich von dem Mann ab und drehte sich erschrocken um. Hinter ihr stand der alte Herbergsvater, der aus der kleinen Stube hinter dem Tresen herausgekommen war. „Was machst du da?“ Er zeigte mit seinen tätowierten Fingerknöcheln auf sie.

Rias Blick fiel auf ihre Hände, in denen sie zwei Brieftaschen, eine Uhr und einen für sie offensichtlich zu großen Goldring hielt. Schnell sah sie wieder zu dem Wirt und begann zu grinsen. „Es ist nicht das, wonach es aussieht“, versicherte sie ihm.

Der alte Mann starrte sie für einige Sekunden verdutzt an. Das war mehr als genug Zeit für Ria. Mit einem gezielten Sprung schwang sie sich über den Tresen und rutschte auf der anderen Seite hinunter. Sie glitt durch den engen Raum an den drei Männern vorbei und stürmte zur Tür.

„Ich empfehle mich!“, rief sie den drei Männern zu und zwinkerte frech, während der Wirt vor Wut aufschrie. Ihr Arm streifte den Mann in dem schwarzen Mantel, der sich mit geöffnetem Mund nach ihr umdrehte. Doch bevor er auch nur einen Ton hervorbringen konnte, hatte Ria schon die Tür aufgerissen und rannte in die Nacht hinaus. Als sie einen kurzen Blick über die Schulter riskierte, sah sie, dass der Mann in dem schwarzen Mantel ihr mit seinen Blicken folgte.

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