Der 1. Blick in „Die Krone von Atlantis“

Willkommen auf meinem Blog und willkommen in dem Abenteuer namens „Die Krone von Atlantis“.

Hier kommen die ersten Seiten meines neuen Romans. Worum es geht, findet ihr heraus, wenn ihr hier klickt. Ihr könnt die folgende Leseprobe auch bei epubli sehen. Wenn euch der erste Blick in den Roman gefallen hat und ihr weiterlesen möchtet, findet ihr hier alle Links, zu den weiteren Leseproben. Wo ihr das Buch bestellen könnt, findet ihr hier heraus.

Stellt sicher, dass ihr mir folgt, um alle Hintergrundinfos, Updates und weiteren Veröffentlichtungen auf keinen Fall zu verpassen. Aber jetzt taucht erst einmal ein, in die erste Szene aus „Die Krone von Atlantis“…

Prolog

Als wäre sie nicht aus dieser Welt.

Friedrich Hansen schämte sich seines Gedankens, kaum dass er ihm gekommen war. Dennoch gelang es ihm nicht, die Augen von der Frau abzuwenden, die gerade sein Geschäft betreten hatte.

Hansen war ein Profi. Es war mehr als zwanzig Jahre her, dass er das Hamburger Juweliergeschäft seines Vaters übernommen hatte. Davor war er bereits als Goldschmied tätig gewesen. Er hatte Trauringe an Frischverliebte verkauft, lächerlich pompöse Halsketten für Millionärsgeliebte gereinigt und einmal sogar ein Diadem angefertigt. Seine Kunden kamen aus allen Gegenden der Welt. Er brüstete sich gern damit, schon alles gesehen zu haben. Der Anblick dieser Frau belehrte ihn eines Besseren.

„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte Hansen geschäftsmäßig und ging langsam um seinen Verkaufstisch herum.

Als die Frau ihren Kopf hob und sich ihre Blicke trafen, hielt Hansen einen Moment inne. Unter der Kapuze des dunkelblauen Samtumhangs blitzte ein Paar Augen hervor, das von einer so intensiven ozeanblauen Farbe war, wie Hansen es noch nie gesehen hatte. Die Frau sah den Juwelier durchdringend, forschend, aber freundlich an. Auf ihren feinen Lippen war die Andeutung eines Lächelns zu sehen.

„Sind Sie der Eigentümer?“, fragte sie.

Hansens Rücken straffte sich. „So ist es.“

„Das Geschäft hat früher Ihrem Vater gehört“, sagte die Frau in einem sachlichen Tonfall.

„Woher wissen Sie das?“, fragte Hansen leise. Er wich überrascht einen Schritt zurück.

Die Frau ging auf seine Frage jedoch nicht ein. Stattdessen trat sie an eine der Vitrinen im Geschäft heran und blieb davor stehen.

Hansen schüttelte kurz den Kopf und besann sich auf seine Verkaufsroutine. „Interessieren Sie sich für ein bestimmtes Stück?“ Er stellte sich neben die Frau und sah mit ihr gemeinsam auf das einzelne Schmuckstück, das in der Vitrine lag.

Wieder ging sie auf seine Frage nicht ein. „Darf ich fragen, woher Sie ihre Stücke haben?“, fragte sie. Hansen glaubte nun den Hauch eines fremdländischen Akzents zu hören.

„Nun, teilweise führen wir natürlich Designer-Exemplare. Zum Geschäft gehört aber noch die Werkstatt. Sie finden hier handgemachte Unikate.“ Wieder straffte Hansen seinen Rücken vor Stolz.

„Und Haushaltsauflösungen?“

Hansen schob die Augenbrauen zu einem skeptischen Blick zusammen. Was ist das hier?

„Ich biete manchmal auch bei Nachlassversteigerungen mit. Teilweise finden sich dort wahre Kostbarkeiten. Ich bereite sie dann auf und biete sie hier zum Verkauf an.“

„Handelt es sich bei diesem Stück auch um eine solche Kostbarkeit?“ Endlich schob die Frau die Kapuze von ihrem Kopf. Zum Vorschein kam kräftiges kastanienbraunes Haar, das in eine kunstvolle Flechtfrisur gesteckt worden war. Hansen musste sich anstrengen, seinen Mund geschlossen zu halten. Vor ihm stand die wohl schönste Frau, die er je gesehen hatte. Sie hatte feine ebenmäßige Züge, eine hohe Stirn und große kluge Augen. Die Frau wandte sich Hansen zu, deutete aber mit ihrem Kopf in Richtung der Vitrine.

Hansen konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Sie haben ein gutes Auge, gnädige Frau.“ Die Frau lächelte bei dieser altmodischen Anrede. „In der Tat, dieses Stück habe ich vor einigen Jahren aus dem Nachlass einer sehr alten Hamburger Kaufmannsfamilie ersteigert. Es gab keine lebenden Erben. Man sagte mir damals, dass das Stück schon seit Generationen in der Familie vererbt wird.“ Mit diesen Worten griff Hansen in seine Hosentasche und zog einen kleinen Schlüsselbund hervor. „Wenn Sie mögen?“, fragte er und steckte schon den passenden Schlüssel in das Vitrinenschloss.

„Ich bitte darum“, sagte die Frau noch immer lächelnd und trat zur Seite, sodass der Juwelier die Vitrine öffnen konnte. Hansen griff hinein und zog mit seinen Händen vorsichtig die Halskette hervor, die hinter dem Glas im Licht gefunkelt hatte. An einem silbernen Reif baumelte ein einzelner dreieckiger Anhänger.

Hansen reichte den Schmuck der Frau. „Das Juwel ist ein Aquamarin einzigartiger Klarheit. Sie werden nicht einmal kleinste Einschlüsse im Stein finden. Und das Material ist hochwertiges Weißgold.“

Die Frau legte sich den glänzenden Anhänger prüfend auf die Handfläche und ließ ihn im Schein der Vitrinenlampe hin und her wiegen. Der Anhänger fasste ein tropfenförmiges Juwel, das hellblau im Licht schimmerte. Seine Fassung bestand aus einem geschwungenen Dreieck, dessen linkes unteres Ende in einer Spirale endete.

„Der Anhänger ist wunderschön. Ein phantastisches Stück“, flüsterte die Frau.

Hansen addierte den Preis für die Kette im Kopf bereits auf seinen heutigen Tagesumsatz. Das Jahr 2019 begann für ihn gut.

„Sie haben wirklich ganze Arbeit geleistet“, sagte die Frau schließlich und sah den Juwelier wieder an.

Hansen schürzte ein wenig verunsichert die Lippen. „Sie meinen mit der Aufarbeitung des Stücks. Nun ja …“

„Und jetzt würde ich ihn gern sehen“, unterbrach ihn die Frau plötzlich.

Hansen stockte. „Ich fürchte, ich verstehe nicht“, brachte er hervor.

„Ich würde gerne den echten Anhänger sehen. Das Erbstück, das Sie ersteigert haben, ist es hier?“

Hansen fuhr ein Schauer über den Rücken. Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch es kamen keine Worte heraus. Stattdessen starrte er die Frau an.

„Herr Hansen, richtig?“ Hansen nickte kaum sichtbar. „Herr Hansen, ich kann ein Original von einer Nachahmung unterscheiden. Und so hervorragend diese Kopie von Ihnen auch ist, ich bin doch leider nur an dem Original interessiert.“

Hansen hatte es für einen Moment endgültig die Sprache verschlagen. Er fühlte sich ertappt und auch ein wenig gedemütigt. Niemals hatte er damit gerechnet, dass jemand den Anhänger als Kopie identifizierte. Er hatte ihn in jedem Detail nachgebildet. Doch anstatt seine Täuschung abzustreiten, entschloss er sich, in die Offensive zu gehen: „Sind Sie sicher?“ Er nahm der Frau den Anhänger aus den Händen. „Der hier verarbeitete Edelstein ist viel hochwertiger als im Original. Dieser Aquamarin ist lupenrein. Ein Juwel dieser Färbung und Größe finden Sie nur selten. Der Stein im Original ist, wie soll ich sagen, anders.“

Die Frau lachte kurz auf. „Sie sind wirklich ein Meister Ihres Faches, nicht wahr?“

Hansen spürte, dass er rot anlief. Er lächelte aber.

„Ich fürchte dennoch, dass ich darauf bestehe, das Original zu sehen.“ Nach einer kurzen Pause ergänzte sie: „Ich bin bereit, Ihnen jede Summe dafür zu zahlen, die Sie mir nennen.“

Hansen hatte Mühe, sich seine Glücksgefühle nicht anmerken zu lassen. „Sicher. Nur muss ich Ihnen dazu leider sagen, dass das Original nicht hier ist.“

Der Gesichtsausdruck der Frau änderte sich schlagartig. Sie sah auf einmal besorgt aus.

„Es ist in meinem Lager“, fügte Hansen eilig hinzu. „Die kostbarsten Stücke lagere ich in einem Safe. Ich kann den Anhänger holen. Leider werde ich ihn erst morgen hier haben.“

Der Ausdruck der Erleichterung, der sich auf dem Gesicht der Frau ausbreitete, erfüllte Hansen aus Gründen, die er nicht nachvollziehen konnte, mit Unbehagen. Sie will den Anhänger unbedingt, dachte er, während er die Kopie zurück in die Vitrine legte.

„Das ist überhaupt kein Problem. Wenn Sie nichts dagegen haben, würde ich Sie darum bitten wollen“, sagte sie.

„Selbstverständlich.“ Hansen wandte sich beruhigt von der Frau ab und ging zu seinem Verkaufstisch zurück. Aus einem der unteren Fächer zog er ein leeres Kärtchen hervor und vermerkte mit seinem Füllfederhalter einige Notizen. „Auf welchen Namen darf ich den Anhänger reservieren?“, fragte er und hob den Kopf. Zu seinem Erstaunen hatte die Frau seinen Laden schon fast wieder verlassen. Beim Klang seiner Stimme aber drehte sie sich um.

„Eleana“, antwortete sie. Hansen hob überrascht die Augenbrauen. „Gräfin Eleana.“ Mit diesen Worten verschwand die Frau durch die Tür und ließ einen nunmehr vollkommen verblüfften Juwelier zurück.

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